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07 | 2017

Umweltfreundliche Mobilität mit Wasserstoff

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Auf den ersten Blick unterscheiden sich die beiden Brennstoffzellenbusse kaum von konventionellen Dieselbussen – Länge, Breite und Höhe sind vergleichbar. Sie haben aber zusätzliche Komponenten auf dem Dach: sieben Tanks, eine Hochvoltbatterie, ein Kühlaggregat und natürlich die Brennstoffzelle. Im Industriepark Höchst fahren die beiden mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellenbusse jetzt als erste im Rhein-Main-Gebiet im Testbetrieb.

Gut ausgebaute Wasserstoffinfrastruktur
„Als innovativer Industriedienstleister optimieren wir kontinuierlich unsere Energieversorgungskonzepte und arbeiten daran, erneuerbare und umweltfreundliche Energiequellen möglichst intensiv zu nutzen“, so Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer von Infraserv Höchst. „Daher ist auch die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie für uns ein interessantes Thema, denn der Industriepark Höchst ist der optimale Standort für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur.“

Wasserstoff, die umweltfreundliche Alternative zu Benzin und Diesel, fällt im Industriepark als Nebenprodukt aus der Chlorproduktion in großen Mengen an – 50 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Mit dieser Menge könnten 20.000 PKW oder 400 Busse betrieben werden, ohne dass lokal Emissionen entstehen. Eine Flotte mit 400 Wasserstoffbussen würde bei einer Personenkilometerlaufleistung von etwa 22,5 Millionen Kilometer rund 25.000 Tonnen CO2 im Jahr einsparen. Aber im Industriepark Höchst ist nicht nur der Wasserstoff als Energieträger verfügbar, auch die passende Infrastruktur ist am Standort bereits vorhanden: Die Wasserstoff-Tankstelle, die im Rahmen eines EU-Projektes („Zero Regio“) gefördert wurde, ist seit 2006 in Betrieb.

Richtungsweisendes Konzept für die Zukunft
Das Busunternehmen Winzenhöler betreibt die Werksbuslinien des Industrieparks Höchst und hat die Busse in der Schweiz gekauft, wo sie im Rahmen des EU-Projektes „Clean Hydrogen in European Cities“ (CHIC) eingesetzt wurden. „Die Rahmenbedingungen im Industriepark Höchst sind ideal für den Einsatz der Brennstoffzellenfahrzeuge“, so Christian Winzenhöler. „Unsere Erwartungen wurden bisher mehr als erfüllt: Die Brennstoffzellenbusse sind technisch einwandfrei, sie fahren zuverlässig und sie haben sogar einen geringeren Verbrauch als geplant. Das ist ein richtungsweisendes Konzept für die Zukunft.“

Auch Dr. Jan-Robert Schwark, Leiter Site Management von Infraserv Höchst, unterstützt den Einsatz der Brennstoffzellenbusse: „Wir freuen uns, dass wir Vorreiter im Rhein-Main-Gebiet sein können. Damit stellen wir wieder die Innovationskraft des Industrieparks und unsere Offenheit für neue Technologien unter Beweis. Für uns ist das ein weiterer Schritt in Richtung Zukunftsfähigkeit.“ Der Citaro FuelCELL-Hybrid, so heißt das Modell von Mercedes Benz, fährt sonst bisher nur in Karlsruhe, Stuttgart, Hamburg, Bozen und Mailand.

Null Emissionen garantiert
„Ich stoße nur Wasserdampf aus.“ – unter diesem Motto fährt der Brennstoffzellenbus im Industriepark Höchst. Null Emissionen garantiert. Die Funktionsweise: Der Wasserstoff erzeugt in der Brennstoffzelle den Strom, der dann die Elektromotoren antreibt. Beim Abbremsen oder im Leerlauf gewinnen die Fahrmotoren Energie zurück, die ebenfalls in die Batterie eingespeist wird. Im Vergleich zu Verbrennungsmotoren sind Brennstoffzellensysteme deutlich effizientere Energiewandler. Sie erzeugen aus der chemischen Energie des Wasserstoffs direkt Strom, während konventionelle Motoren die chemische Energie des eingesetzten Kraftstoffs zuerst in thermische und dann in mechanische Energie umwandeln. Etwa 350 Kilometer Reichweite haben die Busse mit einer Tankfüllung.

Bisher sind die Wasserstoff-Busse im Verhältnis noch teuer: Konventionelle Fahrzeuge kosten etwa 260.000 Euro, neue Brennstoffzellenbusse liegen im Vergleich bei knapp einer Million Euro. Auch die Tank- und Wartungskosten sind höher als bei Dieselfahrzeugen. Mit zunehmender Akzeptanz und Menge soll sich dies aber ändern.

Die Bundesregierung unterstützt im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. „Technologieseitig sollen beispielsweise die Kosten reduziert und die Zuverlässigkeit erhöht werden“, so Philipp Braunsdorf, Programm-Manager Infrastruktur Wasserstoff bei der NOW GmbH. „Parallel dazu werden im Zuge der Marktaktivierung Investitionen in Fahrzeuge und Infrastruktur gefördert. Mittel- und langfristig liefert die Brennstoffzellentechnologie in Kombination mit Wasserstoff einen wichtigen Hebel zur Erreichung der Klimaziele und zur Etablierung einer emissionsfreien Mobilität in Deutschland und in Europa.“

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